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„Survival of the fittest", den berühmtesten Satz über Darwin, hat Darwin nie geschrieben. Er stammt von einem anderen, und er hat ein Zerrbild geschaffen, das bis heute nachwirkt: das Leben als rücksichtsloser Kampf, in dem der Härteste gewinnt und der Schwache untergeht. Dieses Buch zeigt, was Charles Darwin wirklich dachte, und warum es uns bis heute herausfordert.
Valentin Erck liest Darwin gegen den Mythos vom kalten Egoismus. Er führt zwei Einsichten zusammen, die Darwins laute Erben meist auseinandergerissen haben. Die erste ist unbequem: Der Mensch ist ein Naturwesen, ein Tier unter Tieren, hervorgegangen aus demselben blinden Prozess wie der Regenwurm und die Orchidee, ohne Sonderstellung. Die zweite wird gern übersehen: Gerade weil der Mensch ein Naturwesen ist, haben auch seine edelsten Regungen, sein Mitgefühl, seine Treue, sein Gewissen, eine Naturgeschichte. Schon in der „Abstammung des Menschen" steht der Gedanke, dass sich nicht der rücksichtsloseste Einzelne durchsetzte, sondern die Gruppe, die zusammenhielt. An dieser feinen Verschiebung entscheidet sich fast alles.
Sie lesen von der Reise mit der Beagle, von Darwins jahrzehntelangem Zögern, von der natürlichen Selektion, erklärt ohne eine einzige Formel und sauber getrennt vom Sozialdarwinismus, der sich später zu Unrecht auf ihn berief. Und Sie sehen, warum Darwins alte Provokation heute neu brennt: Wenn der Neurobiologe Robert Sapolsky bestreitet, dass der Mensch einen freien Willen besitzt, dann beginnt diese Debatte bei Darwin. Ist der Mensch, naturwissenschaftlich betrachtet, ein Egoist, oder ist er es gerade nicht?
Ein Essay über das, was bleibt, keine Biographie. Wer Darwin neu sehen will, jenseits von Heldenverehrung und Verdammung, fängt hier an.
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