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Schon bald nachdem gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Luigi Boccherini und Gaetano Brunetti die ersten Werke für sechs Streichinstrumente komponiert wurden, verfestigte sich ein relativ unreflektiertes Bild dieser Besetzung, das bis in die wissenschaftliche Auseinandersetzung der heutigen Zeit reicht. Dieses ist vor allem von zwei konstanten Merkmalen geprägt: An erster Stelle sei die kompositorische Herausforderung, einen zwischen orchestralen und kammermusikalischen Möglichkeiten ausgewogenen Satz zu kreieren, kaum zu bewältigen. Außerdem wurde Streichsextetten immer eine Abhängigkeit zur Gattung Streichquartett, mitunter wenig schmeichelhaft im Sinne einer bloßen Vorübung, attestiert. Beides führte dazu, dass das Streichsextett nicht als selbständige musikalische Gattung anerkannt wurde. Zudem setzte die nachhaltige Komposition von Sextetten gegenüber anderen Gattungen, wie eben dem Streichquartett, erst relativ spät ein. Die frühen Sextette weisen außerdem keine einheitliche Besetzung der sechs Streicher auf, so dass dementsprechend auch kein homogenes Korpus von Werken entsteht. Erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts werden vermehrt Sextette mit der konstanten Besetzung von zwei Violinen, zwei Bratschen und zwei Violoncelli komponiert. Etwa in dieser Zeit kann aber auch eine starke Tendenz zur Individualisierung des musikalischen Werkes beobachtet werden.
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