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Die 'Epoden' des Horaz, entstanden in der von Spannungen geprägten Übergangszeit zum augusteischen Prinzipat, sind ein 'curiosum'. Besonders auffällig sind die invektivischen Schmähgedichte des Epodenbuchs, deren eigenwillige Derbheit und vielschichtige Boshaftigkeit in scharfem Kontrast zur kunstvoll gestalteten Form zu stehen scheinen. In fünf Englektüren jener Epoden, die sich durch besondere verbale Aggression auszeichnen, untersucht Laura Gretter die horazische "Kunst der Beleidigung". Aus zwei Perspektiven - einer mechanisch-rhetorischen und einer ästhetisch-poetologischen - wird gezeigt, wie rhetorische Strategie und ästhetische Formgebung in der horazischen Invektive ineinandergreifen. Dabei richtet die Autorin den Blick auf den Gestus, mit dem Horaz den Modus der Invektive selbst inszeniert: In der rhetorischen Bloßstellung formt er aus Fragmenten monströse Gegner, ordnet soziale Hierarchien neu und erschließt den invektivischen 'modus dicendi' poetisch.