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Wie reflektieren Vorschulkinder über ihre Sprachen? Diese Arbeit nutzt am Gegenstand des Erzählens bekannter Märchen in zwei Sprachen die Zuwendung der Kinder zur Sprache selbst. Deren differente Ausdrucksformen eröffnen dem Kind den reflektierten Umgang mit der Herkunfts- wie auch der Zweitsprache. Ein komparativer Umgang fördert mit der Sprachsensibilität zugleich die Sprachkompetenz des Kindes. Märchen sind hier gewissermaßen der Eingang zur Reflexion, weil sie zumeist zum bekannten Kulturgut des Herkunftslandes gehören. Diese spezifischen Potenziale zwei- und mehrsprachiger Kinder, die in Familien mit Migrationsgeschichte aufwachsen, können unzweifelhaft als spezifische Ressource im Zusammenhang des Sprachlernens verstanden und günstigenfalls genutzt werden. Insbesondere im familiären Umgang mit Literalität in der Praxis des Vorlesens findet sich ein Schlüssel zum reflektierten Sprachgebrauch.
Diese Untersuchung besteht aus drei Fallstudien über Vorschulkinder, die mit den Sprachen Russisch und Deutsch aufwachsen. Der explorative Charakter der vorliegenden Studie gibt in einem offenen, gleichwohl strukturierten Zugang Hinweise auf erste Beispiele und Muster sprachreflexiven Handelns von Kindern im Vorschulalter. Zum Untersuchungsgegenstand gehoren vor allem mündliche Textproduktionsprozesse, Erzahlfahigkeiten und Erzahlfertigkeiten der Kinder in der Zweitsprache Deutsch am Gegenstand von Marchen, die in beiden Sprachen tradiert werden.
Die Arbeit richtet sich an alle, die Berührungspunkte mit kindlichem Sprachlernen haben. Sie zeigt z. T. erstaunliche Formen eines reflexiven Umgangs mit der Sprache selbst und eröffnet vor allem die Sicht auf die Bedeutung der Literalitätserfahrungen von Kindern in der Herkunftssprache.