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Einmal von der anderen Seite betrachtet: Viele Seminare wirken lebendig, methodenreich und professionell moderiert. Menschen sprechen miteinander, beschriften Karten, kleben Punkte, arbeiten in Gruppen, sehen Folien, beantworten digitale Abfragen und geben am Ende freundliches Feedback. Doch sichtbare Beteiligung ist noch kein Lernen.
Schluss mit Bildungsfolklore untersucht die Didaktik-Illusion in der Erwachsenenbildung. Das Buch fragt nicht, ob eine Methode beliebt, vertraut oder aktivierend wirkt, sondern welche kognitive Leistung sie tatsächlich auslöst. Entscheidend sind Abruf, Unterscheidung, Anwendung, Fehlerkorrektur, Rückmeldung und Transfer. Was im Seminarraum gut aussieht, muss im Arbeitsalltag noch lange nicht tragen.
Im Zentrum stehen 20 gängige Methoden der Weiterbildung: Erwartungsabfragen, Icebreaker und Energizer, Hören, Lesen, PowerPoint, Handouts und Skripte, Flipchart und Pinnwand, Moderationskarten und Klebepunkte, Lehr- und Fallbeispiel-Videos, World Café, Fishbowl und Marktplatzformate, Übungen und Debriefing, Kleingruppenarbeit, Rollenspiel, Planspiel und Simulation, digitale Instrumente und Live-Polls, Plenumsdiskussion, Blitzlicht, Reflexion, Transferpläne und Feedbackbögen.
Die Methoden werden nicht pauschal verworfen. Jede wird daraufhin geprüft, wann sie schadet, was an ihr brauchbar bleibt und unter welchen Bedingungen ihr Einsatz didaktisch verantwortbar ist. So entsteht kein weiteres Methodenhandbuch, sondern eine kritische Sicht auf Routinen, die in der Seminarpraxis oft selbstverständlich geworden sind.
Das Buch richtet sich an Trainerinnen und Trainer, Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildner, Personalentwicklerinnen und Personalentwickler, Führungskräfte, Bildungsanbieter und alle, die Weiterbildung nicht an Stimmung, Aktivität oder Zufriedenheit messen wollen, sondern an belastbarer Verarbeitung und möglichem Transfer.
Schluss mit Bildungsfolklore ist eine nüchterne Einladung, Seminare genauer zu bauen: weniger Ritual, weniger Scheinaktivität, mehr kognitive Präzision.
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